Bayreuther Festspiele oder wie Richard Wagner die Juden sah


Der »große« Komponist Richard Wagner hatte ein SEHR fragwürdiges Verhältnis zum Judentum. Und dennoch pilgern gerade jene, die sich den Kampf gegen den Rassismus verschrieben haben, Jahr für Jahr zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth. Ganz vorne mit dabei: die Bundeskanzlerin.

Aktuell marschieren wieder viele aus der Polit- und Medien-Elite zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth. Doch der »große« Komponist hatte wohl eine sehr »fragwürdige» Einstellung zum Judentum.

Richard Wagner und die »Juden«

Richard Wagner[i], dessen Musik unbestritten auch eine nachhaltige Wirkung auf Adolf Hitler ausübte, sah in den Juden die »Beherrscher der modernen Geldwelt« und bemerkte: »Ja, sie sind wie die Fliegen, je mehr man sie verscheucht, um so mehr sind sie da«. Er nannte die Juden »eine wahre Pest« und sagte »in heftigem Scherz, es sollten alle Juden in einer Aufführung des ‚Nathan’ verbrennen«[ii].

Sogar seinem Gönner und Förderer, König Ludwig II. von Bayern, der als Freund der Juden galt, gestand Wagner im Jahre 1881 in einem Brief: »…dass [er] die jüdische Race für den geborenen Feind der einen Menschheit und alles Edlen in ihr halte« und »dass namentlich wir Deutsche an ihnen zu Grunde gehen werden.«[iii]

Heute wären solche Äußerungen das Ende jeglicher gesellschaftlicher und politischer Existenz und würden den Straftatbestand der »Volksverhetzung« erfüllen. Alle würden total ausflippen. Und dennoch pilgern gerade jene, die sich den Kampf gegen den Rassismus auf die Fahne geschrieben haben, Jahr für Jahr nach Bayreuth! Ist das Heuchelei, um wieder einmal im Rampenlicht zu stehen?

Also noch einmal: Politiker und Mediengrößen, die sich dem Kampf gegen den Rassismus verschrieben haben, pilgern zu den Opern eines Komponisten, der Juden offenbar mit »Fliegen« verglichen hat.

Die Opern von Richard Wagner enthalten – so Kritiker – den gesamten ideologischen Hintergrund eines sozialdarwinistischen und antisemitischen Weltbildes: germanische Urkraft, Befreiungsbarbarei und den Blutreinigungsmystizismus des Parsifal[i]. Hitler gab selbst mehrmals zu, dass Wagner eine Art »Identifikationsfigur«[ii] für ihn gewesen sei und wurde nicht müde, dessen Musik zu hören und dessen Schriften zu lesen[iii].

Hintergrund: Josef Arthur Graf von Gobineau – der Pionier der Rassenforschung

Josef Arthur Graf von Gobineau[i], der 1849 zum Kabinetts-Chef des französischen Außenministers berufen wurde, hinterließ das vierbändige Werk »Essai sur l’inegalite des races humaines«[ii].

Gobineau wird als »Pionier der Rassenforschung« bezeichnet, dessen Werk den Imperialismus und Kolonialismus rechtfertigen sollte. Er differenzierte die höhere Rasse der Arier (dazu gehörten in erster Linie die Germanen) von den niederen Arten, zu denen er die »Neger« und die Semiten zählte. Gobineau forderte unmissverständlich, die höhere Rasse durch die Bewahrung des reinen Blutes zu erhalten[iii]. Mit der darin formulierten Rassenlehre legte er eine der Grundlagen für den nationalsozialistischen Antisemitismus[iv].

Gobineau’s Schriften inspirierten das schriftstellerische Sektierertum der damaligen Zeit und brachten eine umfangreiche, ausschweifende Anschlussliteratur hervor. Gobineau hatte auch Einfluss auf Richard Wagner[v]. In Wagners Umfeld wiederum tummelte sich der Engländer Houston Stewart Chamberlain[vi].

Hintergrund: Houston Stewart Chamberlain – der Rassenkämpfer

Chamberlain verehrte Wagner[i], heiratete eine seiner Töchter und war dessen Werk zugewandt. Ebenso war er auch ein Anhänger von Josef Arthur Graf von Gobineau[ii].

Der Engländer Chamberlain entwickelte die Konzeption einer rassischen Geschichtstheorie und interpretierte die europäische Geschichte in kühnsten Spekulationen als die Geschichte von Rassenkämpfen. So sah er die Germanen am Rande des Rassenabgrunds in einem Überlebenskampf gegen die »Mächte der Finsternis«.[iii] Chamberlain war durchaus kein unbedeutender Mann der damaligen Zeit, was wohl die Briefkontakte mit König Ludwig von Bayern und Prinz Max von Baden bezeugen dürften.[iv]

Der Brite Chamberlain hatte die Rassenlehre des Franzosen Gobineau »weiterentwickelt« und kam zu der Erkenntnis, der Arier sei die »Seele« der Kultur. Ferner gäbe es zwei Rassen: die Arische und die Jüdische. Die Arische trage das Vermächtnis des Altertums in sich: die griechische Kunst und Philosophie, das römische Recht und das Christentum und sei als »Herrenrasse« dazu auserwählt, den herrschenden materialistischen Zeitgeist zu überwinden und dadurch ein neues Weltalter herbeizuführen. Die Voraussetzung dafür sei allerdings die »Reinerhaltung«[v].

Adolf Hitler hat Stewart Chamberlain in Richard Wagners Haus Wahnfried mehrmals getroffen und sich mit ihm ausgetauscht.[vi]

Quellen:

[i] Richard Wagner (22.5.1813 – 13.2.1883)

[ii] Cosima Wagner: Tagebücher I, 1869-1877, München/Zürich 1977, S. 235 und Cosima Wagner: Tagebücher II, 1878-1883, München/Zürich 1977, S. 599, 852 sowie Hartmut Zelinsky: die “feuerkur” des Richard Wagner oder die “neue religion“ der „Erlösung“ durch „Vernichtung“, in: Musik-Konzepte 5, o.J. o.O.

[iii] W. Wagner (Hrsg): König Ludwig II. und Richard Wagner, Briefwechsel, bearbeitet von Otto Strobel, Karlsruhe 1936, Band III, S. 230


[i] Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie, Frankfurt/Wien 1973, S. 88

[ii] Fest: Hitler, S. 75; im Jahr 1931 ließ es sich Hitler nicht nehmen, ganz alleine Richard Wagners Grab aufzusuchen und dort minutenlang wie in Andacht zu verharren (Manfred Koch-Hillebrecht: Hitler. Psychogramm des deutschen Diktators, München 1999, S. 136)

[iii] Wolfgang Wagner, Sohn von Winifred Wagner meint, Hitler hätte Wagners Werk missverstanden, hätte nur das „Nationale“ herausgezogen und völlig übersehen, dass es bei Wagner letztlich um Katharsis ging, um Reinigung, um Erlösung durch die Liebe (Guido Knopp: Hitler. Eine Bilanz, Berlin 1995, S. 141); zum ganzen Komplex Wagner-Hitler vgl. auch Gottfried Wagner: Wer nicht mit dem Wolf heult, Köln 1997


[i] Joseph Arthur Graf von Gobineau (14.7.1816 – 13.10.1882)

[ii] Die vier Bände erschienen 1853-1855, die deutsche Übersetzung durch L. Schemann unter dem Titel „Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen“ 1898-1901, dt.: Berlin 1934

[iii] Friedrich-Wilhelm Haack: Wotans Wiederkehr, München 1981, S. 21; P. Issing: Der Traum vom edlen Germanen brachte Millionen den Tod, in: Die Germanen (PM), München 1995, S. 78

[iv] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus; Internet: http://lexikon.idgr.de; Ausdruck v. 20.01.2006

[v] Fest, Hitler, S. 301: „Auch wenn der Rassenkomplex des französischen Aristokraten, seine Abneigung gegen das ‚verdorbene Pöbelblut’, die Herkunft aus dem Klassenressentiment einer abtretenden Herrschaftsschicht kaum verbarg, hat der Entwurf in seiner ideenreichen Willkür und genialen Unbestimmtheit das schriftstellerische Sektierertum der Zeit anhaltend inspiriert und eine umfangreiche, ausschweifende Anschlussliteratur hervorgebracht, die wiederum bis zu Richard Wagner und dessen Essay über das ‚Heldenthum’ oder den ‚Parsifal’ reicht.“ Ebenso führt der Begriff der „Degeneration“ bei Gobineau zu Wagners Schrift von der Regeneration, was bedeutet Re-generation der Deutschen von der Degeneration – also Erlösung Deutschlands von den Juden. Diese Idee greift dann Hitler mit der Endlösung der Judenfrage auf“ (Brief des Regisseurs und Schriftstellers Petrus van der Let, Wien an den Autoren, Archiv Grandt)

[vi] Houston Stewart Chamberlain (9.9.1855 – 9.1.1927)


[i] 1908 heiratete er Eva, eine der Töchter von Richard Wagner, und war als dessen Schwiegersohn im Wagnerischen Haus Wahnfried in Bayreuth wohnhaft, wo er dann auch Adolf Hitler kennenlernte, vgl.: Issing, S. 79

[ii] Chamberlain knüpfte direkt an Gobineaus Ideen an (Informationsdienst gegen Rechtsextremismus; Internet: http://lexikon.idgr.de; Ausdruck v. 20.01.2006

[iii] Guido und Michael Grandt: Erlöser, Aschaffenburg, 1998, S. 48; Fest: Hitler, S. 82

[iv] Karina Urbach/Bernd Buchner: Prinz Max von Baden und Houston Stewart Chamberlain, in: Vierteljahrhefte für Zeitgeschichte (VfZ) Heft 1 (52, Jahrgang), Januar 2004, S.121-177

[v] Houston Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts, München 1899; auch in Ralf Georg Reuth (Hrsg): Joseph Goebbels Tagebücher. Band 1: 1924-1929, München 1999, S. 29f.

[vi] Das erste Treffen fand im Jahre 1924 statt, vgl. Issing; S. 79

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Grandt,
    haben Sie denn schon einmal den Talmud gelesen?
    Das soll ja sehr heilsam sein! (z.B. zum Thema „Rassereinheit“)
    Wagner hat es ja vielleicht getan, Martin Luther aber ganz sicher.
    Nachdem Luther das heilige Buch der Juden gelesen hatte, wurde aus einem Freund der Juden jemand, der ein kleines Büchlein schrieb, von dem die „Evangelen“ heute lieber nichts mehr wissen wollen!

    Also,
    …angemnehmes Studium!

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