Fernsehrat- »Freundeskreise«: Klüngelei?

Im Fernsehrat gibt es verschiedene, nach Parteifarben benannte »Freundeskreise«, die sich vor Gremiumssitzungen absprechen. Ist das demokratisch im Sinne der GEZ-Zahler und schieben die sich untereinander Pöstchen zu?

Konspirativ?

Leonhard Dobusch forscht als Universitätsprofessor für Organisation an der Universität Innsbruck und sitzt seit Juli 2016 für den Bereich »Internet« im ZDF-Fernsehrat. Er berichtet regelmäßig, wie es dort zugeht. Er enthüllt u.a., dass es im Fernsehrat sogenannte »Freundeskreise« gibt, die sich vor einer Gremiumssitzung absprechen. Sehr undemokratisch für mich und wohl nicht im Sinne der GEZ-Zahler:

  • Frank Werneke ist stellvertretender Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, im ZDF-Fernsehrat und außerdem der in geheimer Wahl gewählte Vorsitzende des sogenannten »roten Freundeskreises«.
  • Ex-CDU-Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist sein Pendant im »schwarzen Freundeskreis«.

Sie laden die (eigentlich unabhängig sein müssenden) Fernsehräte regelmäßig vor Gremiumssitzungen zu »Vorgesprächen« ein. Schieben Sie sich Pöstchen zu?

Trügerische Unwissenheit

Dobusch: »Freundeskreise, die sich vor den offiziellen Plenumssitzungen zu Vorberatungen treffen, sind kein Spezifikum des ZDF-Fernsehrats. Auch in den Rundfunkräten der ARD gibt es ‚Freundeskreise‘, neben roten und schwarzen gibt es dort auch ‚graue‘ Freundeskreise, in denen sich zum Beispiel kirchliche und andere zivilgesellschaftliche Mitglieder vorab abstimmen.«

Fernsehratsvorsitzende Marlene Thieme bezeichnete diese Freundeskreise als »informelle Treffen«, gab sich jedoch unwissend über deren Zusammensetzung und deren Entscheidungsverfahren.

Doch Dobusch deckt auf: »Dabei werden die Einladungen zu den Vorberatungen zumindest im ZDF durch das Gremienbüro verschickt, finden die Treffen in den Räumlichkeiten des ZDF statt und nehmen regelmäßig hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Anstalten von Intendant Thomas Bellut abwärts an den Freundeskreissitzungen teil.«

Und die Fernsehratsvorsitzende soll davon nichts mitbekommen? Unwahrscheinlich!

Dobisch: » (…) der verdruckst-verschämte Umgang mit Freundeskreisen zeichnet ein konspiratives Bild, das der Profanität der Freundeskreispraxis in keinster Weise gerecht wird. Sie lädt zu Kritik ein, wie jener, dass die ’schwarzen und roten Blöcke sich die Posten zu[schieben]‘, und weckt Zweifel, ‚dass andere Freundeskreise als rote und schwarze in den Aufsichtsgremien viel zu sagen haben’«.


Quelle:
https://netzpolitik.org/2018/neues-aus-dem-fernsehrat-22-fraktionen-statt-freundeskreise/

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