Iran: So macht Trump seine größten Gegner stark

Trump wettert weiter gegen den Iran. Die Perser sind schon lange im Visier des US-Präsidenten. Nun will er dem Land den Öl-Hahn zudrehen. Gewinner davon könnten aber ausgerechnet zwei der größten »Gegner« der Amerikaner sein.

Kurzfristig gedacht

US-Präsident Trump verschärft wieder den Ton gegen den Iran und seine Administration drängt ihre Verbündeten dazu, alle Einfuhren von iranischem Öl bis zum 4. November 2018 einzustellen.

Kurz nach dieser Ankündigung stiegen die Ölpreise um mehr als 3,5 Prozent und der iranische Ölminister Bijan Zanganeh ließ es sich nicht nehmen, Trump die Schuld für die hohen Ölpreise zu geben. Der US-Präsident will offenbar den Persern den Öl-Hahn zudrehen, mit dem sie ihren Gottesstaat weitgehend finanzieren.

Doch der Schuss kann leicht nach hinten losgehen. Wer die Politik von Trump kennt, weiß zwischenzeitlich, dass er kurzfristig agiert und weniger langfristig denkt, aber das könnte in diesem Fall ein Eigentor werden.

Denn wenn die westlichen US-Verbündeten samt Japan dem Iran kein Öl mehr abkaufen würden, so hätte dies große geostrategische Auswirkungen, die Trump wohl nicht auf dem Radar hat. Denn ausgerechnet seine »Gegner« könnten davon profitieren.

Hintergrund:

Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent in der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC). Er exportiert rund 2,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Seine größten Hauptabnehmer sind:

China, das fast 27 Prozent der gesamten iranischen Exporte importiert, gefolgt von Indien mit 16 Prozent, Südkorea mit zehn Prozent, Japan mit sieben Prozent und der Türkei mit zehn Prozent.

Sollten die US-Verbündeten Südkorea, Japan, Türkei und die Europäer Trumps Aufruf (oder besser Anweisung?) folgen, würden die iranischen Exporte drastisch zurückgehen. Dieses Defizit würde aber jene Länder der Region veranlassen, sich an andere Anbieter zu wenden, um die Lücke zu schließen.

  1. Beispiel: Russland

Die Türkei importierte im vergangenen Jahr insgesamt 24,9 Millionen Tonnen Rohöl. Rund 50 Prozent davon aus dem Iran. Wenn die Türkei die von Trump geforderten Restriktionen umsetzt, wird Russland letztendlich mehr als 60 Prozent des türkischen Erdölbedarfs decken und den Großteil des Erdgases liefern. Die Türkei wäre den Russen auf dem Energiesektor quasi »ausgeliefert«. Dies wiederum würde Schwierigkeiten mit den NATO-Verpflichtungen hervorrufen und Russland einen neuen Trumpf geben.

  1. Beispiel: China

Sollten die US-Vasallen kein iranisches Öl mehr kaufen, lässt das den Ayatollahs nur noch die Option, China, seinen größten Kunden, davon zu überzeugen, mehr iranisches Öl zu kaufen. Dies könnte den Iran von China abhängig machen, was für Peking ein unglaublicher strategischer Vorteil wäre.

Trumps Vorpreschen scheint also unüberlegt und kurzfristig gedacht zu sein. Denn ausgerechnet seine beiden »Hauptgegner« Russland und China könnten von seinem Handeln profitieren.


Quelle:
https://deutsch.rt.com/wirtschaft/73233-wer-profitiert-eigentlich-von-sanktionen-gegen-iran/