Sexuelle Belästigung: Intendant gibt Fehler zu

Tom Buhrow, der Intendant des WDR, wirft sich selbst in einem aktuellen Interview im journalist zu den Vorwürfen von sexueller Belästigung »drei Fehler« vor:

Fehler 1:

»Der erste hat erst einmal nicht direkt mit sexueller Belästigung zu tun. Ich habe zu spät wahrgenommen, dass sich im Personalrat etwas aufgestaut hatte. Im Sinne von: Wir wollen mehr mit unseren Anliegen durchdringen (…) Da hätte ich die Arbeitnehmerseite noch näher an meine Seite holen müssen. Darauf hätte ich achten sollen!«

Fehler 2:

»Das war die Auswahl der ersten Kanzlei, die wir als Anlaufstelle für Frauen genannt haben. Das haben wir aber in bester Absicht gewählt, weil wir schnell handeln mussten, weil wir sie kannten und wir sie bei dieser besonderen Thematik für die richtige hielten (…)«

Diese Kanzlei hatte den WDR aber schon in Prozessen gegen Mitarbeiter vertreten. Buhrow: »Das hat die Auswahl der Kanzlei angreifbar gemacht und den falschen Eindruck erweckt (…) Aber auf jeden Fall hat die Wahl erst einmal für Irritationen und ein anfängliches Misstrauen gesorgt.«

Fehler 3:

»Der liegt auch etwas zurück. Der hat auch nicht direkt mit sexueller Belästigung zu tun, im weiteren Sinne aber schon. Das war die Reaktion auf den Kollegen Armin Stauth« (der heute Korrespondent in Brüssel ist und bereits 2010 Hinweise auf sexuelle Belästigung weitergeleitet hatte, dafür aber eine Ermahnung erhielt, die ihm verbot, weiterzuverbreiten, es gebe sexuelle Belästigung im WDR/MGR).

Buhrow: »Das stimmt so nicht! (…) Es ging in erster Linie darum, dass der Kollege nicht belegte Anschuldigungen namentlich gegenüber Dritten nicht erheben beziehungsweise unterlassen sollte. Die damalige Geschäftsleitung hat nämlich die Hinweise auf sexuelle Belästigung sorgfältig geprüft, auch mit Hilfe einer unabhängigen Personalrätin – leider aber ohne verwertbares Ergebnis. Unabhängig davon war die Ermahnung rückblickend ein Fehler, weil sie einen völlig falschen Eindruck erweckt hat. Nämlich den, dass hier der Hinweisgeber bestraft wurde. Dafür hat sich aber nach meiner Kenntnis auch der Chef der Personalabteilung schon vor Jahren entschuldigt, und die Ermahnung ist aus der Akte gestrichen worden.«

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Quelle:
Journalist 06/2018

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