Stauffenberg und die George-»Sekte«

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Attentäter vom 20. Juli 1944, gehörte dem sektenartigen Kreis um den homosexuellen Dichter Stefan George an, der offenbar sexuelle Kontakte zu Kindern und Jugendlichen gehabt haben soll.

Stauffenberg, der Held

Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg war eine der zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Am 20. Juli 1944 wollte er Adolf Hitler in dessen ostpreußischem Hauptquartier durch eine Bombe töten. Das Attentat schlug fehl, vier Menschen wurden getötet und viele verwundet, Stauffenberg später dafür standrechtlich erschossen.

Seither ist Stauffenberg bei uns der größte Widerstandsheld, weil letztendlich er den Mut hatte, Adolf Hitler eigenhändig mit einer Bombe zu ermorden. Doch das, was hierzulande unter dem Teppich gehalten wird, ist eine andere Frage, die so gar nicht zum »Heldenmythos« passt und für viele ketzerisch ist: verehrte Stauffenberg einen Päderasten?

»Übergeschlechtliche Liebe«

Stauffenberg und sein jüngerer Bruder Berthold waren Mitglied in einem sektenartigen Kreis um den Dichter Stefan George. Dieser war homosexuell und ließ sich offenbar auch mit Jungs ein.  So verbot George seinen langjährigen Weggefährten wohl das Heiraten, weil er allein das Leben seiner Jünger beherrschen wollte.

Der Stefan-George-Biograf Thomas Karlauf nannte den Dichter einen Homosexuellen, der im Laufe seines Lebens eine eigene Weltanschauung entwickelte, in der die »Überwindung des Sexus« durch die »übergeschlechtliche Liebe« als Sieg des »pädagogischen Eros« gefeiert wurde. Klingt hochtrabend philosophisch, umschreibt aber für mich nur die homosexuellen Wünsche und Praktiken eines Perversen, weil dies für mich dem Duktus von Pädophilen entspricht.

Dann wird Karlauf deutlicher: »Mir würde es genügen, dass man auf die Frage, ob es zu sexuellen Kontakten zwischen George und einzelnen seiner jungen Freunde gekommen ist, mit einem ganz klaren Ja antwortet.«

Absonderliche Rituale

Die Rituale im sektenartigen George-Kreis:

  • Das Ansprechen von Jungs auf der Straße
  • Fototermine
  • »Erweckungs«-Zeremonien
  • Schon 8- bis 9-jährige wurden »angesprochen«!

Über die Knabenrekrutierungsmethoden der George-Jünger schreibt Karlauf:

»Inzwischen hatte Morwitz bereits selber nach geeigneten Knaben Ausschau gehalten. Ende 1907 waren ihm die Grafen Uxkull, Bernhard und Woldemar, auf der Straße aufgefallen; Bernhard war acht, Woldemar, der von Morwitz , Spatz‘ gerufen wurde, neun Jahre alt. George fand das reichlich jung. Er scherzte manchmal, dass Ernst seine Zöglinge schon in so frühem Alter wähle, wo doch gar nicht auszumachen sei, ob sich der Einsatz am Ende lohne.«

Über »Süßenhemdchen« und Strichjungen

Unverifizierten Quellen zufolge soll es im Kreis auch zu »Fellatio« gekommen sein. Von »Süßenhemdchen« ist die Rede, die die Jungs, bevor sie phallisch initiiert wurden, anziehen mussten.*

George soll seine Sexualität zudem mit Strichjungen ausgelebt haben. Karlauf wörtlich: »Es gibt Hinweise, dass George seine Sexualität, jedenfalls eine Zeit lang, mit Strichjungen ausgelebt hat.« Percy Gothein war anscheinend Georges jüngster Geliebter. Er soll erst vierzehn Jahre alt gewesen sein, als der »Dichter« mit ihm intim wurde.**

Stauffenberg und George

Manfred Riedel schreibt in seinem Buch »Geheimes Deutschland« ebenfalls von »absonderlichen Riten« im George-Kreis. Die Verbindung zu unserem Widerstandshelden belegt Riedel minutiös:  Gegenüber seiner Frau Nina äußerte Claus Stauffenberg einmal, er »betrachte es als die Gnade seines Lebens, dem größten Mann meiner Zeit (George) verbunden zu sein.«

Riedel arbeitet die Bedeutung Stefan Georges im Leben von Stauffenberg eindringlich heraus. Der 15jährige Claus sandte George seine Gedichtversuche. Nur wenig später wurden Claus und sein Bruder in den George-Kreis aufgenommen. Riedel ist sich sicher: Die Stauffenbergs gehörten zum inneren Kreis der Jünger von George. Haben sie nichts von dessen »Knabenrekrutierungsversuchen« und »Erweckungszeremonien« gewusst? Diese Frage bleibt bis heute ungeklärt.

Fest steht: Der Widerstandsheld Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte zum sektenartigen Kreis von George, dessen Zirkel offenbar auch »absonderliche« Riten mit Kindern und Jugendlichen praktizierte. Hierzulande wird das oft als »literarischer Kreis um den Dichter Stefan George« verniedlicht.

 

Quellen:

* Wörtlich auf faz-online: »In Ulrich Raulffs Buch ‚Kreis ohne Meister – Stefan Georges Nachleben‘, das gerade mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden ist, gibt es, sehr versteckt, eine Fußnote, auf Seite 515, in der von ‚Fellatio‘ im George-Kreis die Rede ist.« (Quelle: faz.net/aktuell/feuilleton/themen/der-uebervater-der-reformpaedagogik-paederastie-aus-dem-geist-stefan-georges-1967216.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2)

Karlauf hält die Quelle für nicht seriös, Raulffs verwendet sie jedoch in einer Fußnote. Es handelt sich um einen Brief eines Freundes des ehemaligen George-Anhängers Robert von Steiger aus den 1960er-Jahren (faz.net/aktuell/feuilleton/themen/der-uebervater-der-reformpaedagogik-paederastie-aus-dem-geist-stefan-georges-1967216.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2)

** Wörtlich auf faz-Online: »Und da liegen auch die Aufzeichnungen von Percy Gothein über den Kreis. Ein großer rot gebundener Band, von dem es auf der ganzen Welt überhaupt nur drei Exemplare gibt. Es ist eine seiner Hauptquellen gewesen. Gothein – das war Georges jüngster Geliebter. Er war vierzehn Jahre alt, als der Dichter mit ihm ‚intim wurde‘, wie es in der Biografie heißt.« (Quelle: faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/stefan-george-die-dunkle-seite-der-macht-1465982-p2.html)

Weitere Quellen:

Thomas Karlauf: Stefan George – Die Entdeckung des Charisma, München 2008

Ulrich Raulffs: Kreis ohne Meister – Stefan Georges Nachleben, München 2012, S. 515

Manfred Riedel: Geheimes Deutschland. Stefan George und die Brüder Stauffenberg, Köln/ Weimar /Wien 2006

faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/stefan-george-die-dunkle-seite-der-macht-1465982.html

https://stauffenberg.lpb-bw.de/stefan_george.html

https://www.iablis.de/iablis_t/2007/ammonrez07.html

Nico Raab: Adeligkeit und Widerstand. Das Beispiel des Katholiken Claus Schenk Graf von Staufenberg, in: Markus Raasch (Hrsg.): Adeligkeit, Katholizismus, Mythos. Neue Perspektiven auf die Adelsgeschichte der Moderne, München 2014

3 KOMMENTARE

  1. Stauffenberg – eine zwiespältige Figur, wenn man wohlwollend sein will.
    Wenn er ein Held gewesen wäre, hätte er eine Pistole genommen und Hitler erschossen. Anstatt seinen Mitverschwörern vorzulügen, er habe Hitlers Leiche gesehen und sie damit zum Tode zu verurteilen.
    Die Ermordung Hitlers hätte allerdings nichts gebracht, denn das Ziel der Gegner war die Vernichtung Deutschlands, nicht Hitlers.
    Wahrscheinlich hätte das Chaos nach Hitlers Tod zum Zusammenbruch der Ostfront geführt. Ganz Europa wäre den Roten in die Hände gefallen.
    Der Stauffenberg-Biograph Venohr schrieb: „Die neue Reichsregierung hätte aus den himmlischen Heerscharen bestehen können, und die Alliierten hätten dennoch nie ihr Ziel aufgegeben, Deutschland für immer zu entmachten.“

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